Dana paramita: Das Glück des freien Gebens ohne Erwartung

von Kai Romhardt

Dana paramita: Das Glück des freien Gebens ohne Erwartung

Dana paramita: Das Glück des freien Gebens ohne Erwartung

Die Kultivierung von Großzügigkeit steht am Anfang des buddhistischen Übungsweges und ist die Voraussetzung für tiefwirkende und befreiende Meditation.

Warum?

Großzügigkeit (dana) gilt im Buddhismus als eine der sechs höchsten Vollkommenheiten (paramitas). Vollkommene Großzügigkeit (dana paramita) ist die Fähigkeit, von ganzem Herzen und ohne Berechnung und Hintergedanken zu geben und zu schenken – in vollkommener Freiheit und Verbundenheit.

Die Übung regelmäßigen Gebens weicht unsere Ich-Zentriertheit auf, schwächt unsere Ansprüche und Erwartungen und ermöglicht es uns mit der Zeit immer mehr, die Welt aus der „Wir-Perspektive“ zu betrachten und unheilsame Geisteszustände wie Gier, Ablehnung und Täuschung zu schwächen. Wir betrachten uns zunehmend als Teil der wechselseitigen Abhängigkeit allen Seins – Intersein – und lösen uns von kulturell stark vermittelter Ich-Zentrierung. Stärken wir unsere Achtsamkeit und Konzentration durch Meditation, vertieft sich unser Verständnis ins „Intersein“ immer weiter.

Jeder von uns erinnert sich an Momente, in denen wir – ohne groß nachzudenken – von Herzen und mit Freude gegeben haben. Bei äußeren Katastrophen wächst die Hilfsbereitschaft oder wenn ein Freund unsere Hilfe braucht. Wir öffnen unser Herz und fühlen uns glücklich, helfen zu können.

Üben wir uns in dana paramita, dann „stretchen“ wir unseren Geist. Wir dehnen unsere Großzügigkeit (aus). Wir schließen immer mehr Menschen und Wesen ein, indem wir unsere   Aufmerksamkeit z.B. auf „neutrale“ Menschen erweitern, Menschen, die wir im Alltag kaum wahrnehmen.

Unser dana, unser Geben ist hierbei weit mehr als finanzielles Geben. Es geht nicht darum, die eigene Existenzgrundlage wegzuschenken, sondern die Angst und die Ansicht loszulassen, dass wir selbst oder unsere Familie auf der Strecke bleiben, wenn wir selbstlos handeln oder warmherzig geben. Es existieren so viele Möglichkeiten unsere Großzügigkeit im Alltag zu stärken.

Thich Nhat Hanh sagte einmal, dass die wertvollsten Dinge, die wir geben können, immaterieller Natur sind: Unsere Zeit, unsere Freude, unseren Frieden, unsere Präsenz, unsere Freiheit oder unsere Erfahrungen – all dies können wir verschenken und mit anderen Menschen teilen.

So wächst Verbundenheit und wir sehen immer klarer, dass wir uns selbst schaden, wenn wir nicht geben oder einseitig auf einen Vorteil hoffen.

Die Kraft wahrer Großzügigkeit wird in unserer Wirtschaft stark unterschätzt. Erwartungen und Nutzenkalkulationen gelten als „normal“ und förderlich. Doch das ist kurzsichtig und führt uns als Individuen, Gemeinschaften und Unternehmen in Konflikte und Spannungen.

Unsere zahlreichen Erwartungen und Ansprüche führen uns ins Leiden. Sie bringen auf den verschiedensten Ebenen den freien Fluss der Dinge ins Stocken und werden regelmäßig enttäuscht. Es ist schon fast absurd: Selbst in unserem Lächeln, kann eine Erwartung stecken und wir entlassen unser freundliches Geschenk selten gänzlich frei in die Welt. Denn: Erhalten wir keine Reaktion auf unser „Geschenk“, reagieren wir schnell verärgert, irritiert oder enttäuscht. Doch wir können schrittweise unsere scheinbaren Geschenke befreien.

Shunryu Suzuki formuliert es radikal:

„Geben ist Nicht-Anhaften. Das bedeutet, keinem Ding anhaften ist Geben.“

Wenn wir uns unserer Erwartungen immer bewusster werden, können wir ihnen entspannt zulächeln und sie immer leichter ziehen lassen.

Unser Geben sollte immer freier werden. Bis es keine Reste mehr hinterlässt und frei von Erwartungen wird. Die Kultivierung und Übung von freiem Geben und Absichtslosigkeit ist ein Weg, egozentrisches Handeln aufzuweichen und das kalkulierende Menschenbild der Ökonomie zu sprengen.

Viel Freude beim Stretchen... :-)


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